Wien, 10. März 2026 – Pünktlich zum Weltschlaftag zeigt sich: Schlafstörungen sind die neue „Volkskrankheit“. Wie eine neue Meta-Studie im „European Journal of Neurology“ (EJN), an der auch österreichische Expert:innen beteiligt waren, veranschaulicht, leidet jede:r dritte Europäer:in an chronischen Ein- oder Durchschlafstörungen. Neben dem Leidensdruck für die Betroffenen wirkt sich das auch massiv auf die Volkswirtschaft aus: Die dadurch ausgelösten Kosten belaufen sich allein in Europa auf 400 Mrd. Euro pro Jahr. Für Österreich ergeben sich dadurch geschätzt um die 10 Mrd. Euro pro Jahr.
Schlaf ist ein essenzielles Grundbedürfnis für den Erhalt von körperlicher und mentaler Gesundheit. Wird dieses Grundbedürfnis nicht oder nicht ausreichend erfüllt, können schwere physische und psychische Schäden die Folge sein. Jetzt zeigt sich, dass Schlafstörungen in Europa noch häufiger sind als bisher angenommen. Ergebnisse der aktuellen Studie aus dem EJN zeigen vergleichbare Ergebnisse in 47 Ländern: 18 % der Europäer:innen leiden etwa an Schlaf-Apnoe und 10 % an Schlaflosigkeit.
Das wirkt sich auch auf die Gesellschaft insgesamt aus – die direkten Behandlungskosten machen dabei 48 % aus, während die indirekten Kosten (etwa durch Arbeitsunfälle) bei 52 % liegen. Insgesamt liegen die Kosten, die für Europa dadurch jährlich anfallen, in Milliardenhöhe.1
„Schlafstörungen sind keine Bagatelle, sondern eine relevante Volkskrankheit mit erheblichen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen wie die aktuelle Hochrechnung zeigt. Durch eine konsequente Ambulantisierung, den Ausbau interdisziplinärer Schlafzentren und den Einsatz digitaler Technologien können wir Versorgungslücken schließen, Wartezeiten verkürzen und die Behandlungsqualität deutlich verbessern. Die Zukunft der Schlafmedizin liegt dabei auch in der personalisierten Therapie: Weg von pauschalen Versorgungspfaden, hin zu individuell abgestimmten Behandlungsansätzen, die Komorbiditäten, Lebensstil und Krankheitsverlauf berücksichtigen“, so Neurologe und Schlafmediziner Priv.-Doz. Dr. Michael Saletu.
Doch wie kann diese prekäre Situation entschärft werden?
Hier gilt es, das Augenmerk weg von den Folgen und verstärkt auf die Ursachen zu richten. Bereits 2024 hat das Future Health Lab im Rahmen eines von Idorsia unterstützten Multi-Stakeholder-Prozesses unter Einbindung von Expert:innen, Gesundheitsdienstanbieter:innen sowie Betroffenen von (chronischen) Schlafstörungen in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin (ÖGSM)
sieben gesellschaftspolitische Handlungsempfehlungen definiert, die sich der Problematik annehmen.
Schlafmangel ist auch weiblich
Passend zum Weltfrauentag, der am 8. März gefeiert wurde, sollte auch der Aspekt Schlafgesundheit – vor allem im Unterschied zu Männern – nicht außer Acht gelassen werden. Frauen sind beispielsweise mehr von hormonellen Veränderungen betroffen, die sich auch auf die körperliche Verfassung auswirken können – zum Beispiel zyklusbedingt oder durch Schwangerschaft. So hat etwa auch die Menopause einen großen Einfluss auf den Schlaf2 – das kann das Risiko für Arbeitsausfälle in dieser Zeit erhöhen.
Gerade deshalb ist es so wichtig, Schlafprobleme nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und die indivuellen Ursachen – ob Stress, chronische Schmerzen oder eben auch hormonell bedingte Veränderungen – frühzeitig abklären zu lassen und die geschlechterspezifischen Unterschiede dabei nicht zu ignorieren.
Sicherheitsrisiko Schlafmangel
Nicht erst seit dieser kürzlich veröffentlichten Studie steht fest: Schlafmangel – beispielsweise durch Schichtarbeit – birgt ein hohes Sicherheitsrisiko – in vielerlei Hinsicht.3
- Im Straßenverkehr: Übermüdung und Erschöpfung, vor allem wenn sie chronisch sind, sorgen für Unachtsamkeit im Alltag – und ein höheres Risiko für Unfälle im Straßenverkehr.
- Im Gesundheitswesen: Unbehandelte Schlafstörungen erhöhen das Risiko für eine Vielzahl von Folgeerkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Depression, Neurodegeneration und Angststörungen. Diese Folgeerkrankungen belasten das Gesundheitssystem zusätzlich und führen zu erhöhten Gesundheitsausgaben.
- In der Wirtschaft: Hohe Behandlungskosten, Kosten durch Arbeitsunfälle und zeitgleich der Produktivitätsverlust durch Schlafprobleme verursachen volkswirtschlaftliche Einbußen in Milliardenhöhe.
Es zeigt sich einmal mehr, dass dringender Handlungsbedarf besteht – Schlafgesundheit hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche und betrifft nicht nur den bzw. die Einzelne:n, sondern die gesamte Gesellschaft. Konkrete Handlungsempfehlungen und eine gezielte Priorisierung des Themas sind wichtiger denn je, um diese negative Entwicklung einzudämmen und langfristige Verbesserungen zu erzielen.
1 Claudio L. A. Bassetti et al., Epidemiology and Economic Burden of Sleep Disorders in Europe, 14 Februar 2026
2 Libera Troìa et. al, Sleep Disturbance and Perimenopause: A Narrative Review, 23. Februar 2025
3 Janet Mayowa Nwaogu et. al, The Interplay Between Sleep and Safety Outcomes in the Workplace: A Scoping Review and Bibliographic Analysis of the Literature, 31. März 2025